Grundlagen Yin und Yang

Die Begriffe „Yin und Yang“ 陰陽 (yin yang) sind zentraler Bestandteil aller chinesischen Philosophien und Wissenschaften. Mit ihrer Hilfe wird seit den ersten bekannten Dokumenten die Schöpfung und das Funktionieren der Welt erklärt. Sie gehören zu den ältesten bekannten Begriffen der chinesischen Kultur und menschlicher Wissenschaft.

Allen chinesischen Wissenschaften sind die Kategorien von Yin und Yang übergestellt.

陰 (yin) bezeichnet die „Schattenseite eines Berges“, 陽 (yang) dagegen die „Sonnenseite eines Berges“. Die erste philosophische Formulierung eines übergreifenden Yin und Yang Konzepte geht auf den Philosophen Zou Yan 鄒 (fl. 4. Jh. v. Chr.) zurück, als Begründer der Yin und Yang-Schule und der Schule der 5 Wandlungsphase gilt.

Die Philosophie des Yin und Yang ist sehr eng mit der Philosophie der fünf Wandlungsphasen verbunden. Nach der chinesischen Auffassung entsteht die Welt aus einer Einheit, welche sich zweiteilt und die beiden „Instrumente“ Yin und Yang hervorbringen, aus denen wiederum die 5 Wandlungsphasen entstehen.

In der Song-Dynastie 宋 (song, 960-1279 n. Chr.) wurde das Konzept von Yin und Yang detailliert ausgebaut und zu dem System geformt, das als solches heute als die chinesische Philosophie von Yin und Yang und den 5 Wandlungsphasen bekannt wurde.

Der Song-zeitliche Philosoph Zhou Dunyi 周敦頤 (1017-1073 n. Chr.) beschrieb die Entstehung der Welt mit auf der Grundlage von Yin und Yang mit den in China berühmten folgenden Worten „無極而太極 (wu ji er tai ji)“:

„[Nach dem Stadium des] „nicht Äußersten [=Undifferenzierten]“ 無極 (wuji), [stellt sich das Stadium des] „äußersten Äußersten [=Differenzierten]“ 太極 (taij) [ein]. Wenn sich das Taiji bewegt, dann bringt es das Yang hervor. Wenn die Bewegung das Äußerste [erreicht hat], dann entsteht Stillstand. Wenn Stillstand besteht, dann wird das Yin hervorgebracht. Wenn der Stillstand das Äußerste [erreicht hat], dann entsteht wieder Bewegung. Einmal bewegt es sich und einmal ist es stillstehend, so daß beides [Bewegung und Ruhe] sich gegenseitig die Wurzel ergeben. Wenn sowohl Yin als auch Yang abgesondert werden, dann stehen die beiden Instrumente [des Taiji „Yin und Yang“] fest. Das Yang verändert sich, und das Yin vereinigt, so daß Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde entstehen. Die 5 Qi entsprechen [dem Taiji] und bedecken [es], die 4 Jahreszeiten bewegen sich darin. Die 5 Wandlungsphasen [Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde] sind ein Yin und Yang. Yin und Yang sind ein Taiji. Das Taiji [das Differenzierte] hat seinen Ursprung im „Nicht-Äußersten“ [Undifferenzierten], [weshalb es sich weiterhin differenziert und daher] die 5 Wandlungsphasen

hervorbringt. Diese haben jede ihre individuelle „natürliche Anlage“. Die Wahrhaftigkeit des Undifferenzierten und die Feinststofflichkeit der nach den beiden [Yin und Yang] geordneten 5 Wandlungsphasen, verbinden sich auf wunderbare Weise und verkleben. Das Dao des Hexagramms qian [Himmel] erzeugt das Männliche, das Dao des Hexagramms kun [Erde] erzeugt das Weibliche. Die beiden Qi [von Yin und Yang] reagieren miteinander und ergeben die 10000 Wesen, welche das „Leben erzeugen“ 生生 (shengsheng). Die 10000 Wesen erzeugen sich immer wieder und wandeln sich ohne Ende.“

(Zitiert nach dem Werk Zhou Lianxi Xiansheng Quanji, 2.Kap.[„Taiji Tushou“]:2a entnommen aus Kubny: Lebenskraftkonzepte in China. 1995:298)

Yin und Yang werden jeweils mit unterschiedlichen Phänomenen aus der realen Welt assoziiert, ihre Bedeutung ist abhängig von der jeweiligen traditionellen chinesischen Wissenschaft, innerhalb der sie Verwendung finden. Sie stellen eine Polarität dar, zwischen derer sich alle Dinge der Schöpfung ergeben. Sie werden in der berühmten Urmonade dargestellt, die im Übrigen auf den oben zitierten Zhou Dunyi zurückgeht.

Entnommen aus Dayi Xiangshu Goushen Tu <Graphik zu den mysteriîsen Zeichnungen der Zahlenbilder der großen Wandlung>. 1.Kap.:1a-b in DZ 69:157

Das Schaubild heißt "Graphik des Taiji" 太極圖 (taiji tu) und dient als Erklärung der dargestellten Graphik nach Zhou Dunyi. Die Graphik ist nach der Ordnung der/des späten Tage/Himmels angeordnet. Unten an der Graphik befindet sich der Ort des Wassers, das Trübe, also des Yin, oben an der Graphik befindet sich der Ort des Feuers, des Klaren, also des Yang. Bedeutend aber ist die Tatsache, dass im Zentrum der Graphik das Zeichen 氣 (qi) steht, als Symbol der Einheit für den gesamten Komplex.

Die Erklärung dieser Graphik lautet: "Solange das Taiji über keine gestalteten Abbilder verfügt, ist es nur ein Qi. Wenn sich das einheitliche Qi zu Leichtem und Klarem teilt, steigt es nach oben und bildet den Himmel. Wenn es sich zu Schwerem und Trübem teilt, sinkt es herab und bildet die Erde. Das Taiji bringt [auf diese Weise] die beiden Instrumente [Yin und Yang] hervor."

Übersicht über die Bedeutungsinhalte von Yin und Yang

陰 (yin), die „Schattenseite eines Berges“ repräsentiert

das Weibliche, die Erde, das Kühle und das Feuchte, das Zurückweichende, das Unbewegte und das Konglumerierende, das sich Ansammelnde, die Beendigung eines Prozesses oder einer Wandlungsphase, die Form, die Tiefe, das Kalten, den Winter, den Mond, das Aufnehmende, das Konkave und anderes.

Im Feng Shui bedeutet Yin, entsprechend die „Schattenwelt“ der Toten und Yin-Feng Shui ist demgemäß auch das Gräber Feng Shui

陽 (yang), die „Sonnenseite eines Berges“, repräsentiert

das Männliche, den Himmel, das Heiße und Trockene, das Bewegte und den Beginn eines Prozesses oder einer Wandlungsphase, den abstrakten Bauplan einer Sache, das Oberflächige, die Höhe, das Heiße, den Sommer, die Sonne, das Konvexe und anderes.

Im Feng Shui bedeutet Yin, entsprechend die „Schattenwelt“ der Toten und Yin-Feng Shui ist demgemäß auch das Gräber Feng Shui