Grundlagen Strukturschule des Qi

Die Philosophie des Neokonfuzianismus entstand in der Song-Zeit (960-1280 n. Chr.). Sie ist deshalb so bedeutend, weil sie die theoretische Grundlage vieler traditioneller chinesischen Wissenschaften darstellt. Beinahe alle traditionellen chinesischen Wissenschaften referieren theoretisch auf den Neokonfuzianismus der Song-Zeit, so dass man sagen kann, dass wenn wir hier nun über traditionellen chinesischen Wissenschaften sprechen, im Prinzip über die Wissenschaften der Song-Zeit sprechen. Während der Song-Zeit entstand das Denken des „systematischen Korrespondenz“, welche besagt, dass man alle Dinge über das informelle System der fünf Wandlungsphasen und Yin und Yang in eine Zuordnung und damit in einen Zusammenhang bringen kann, so dass die Welt und ihre Dinge umfassend miteinander verknüpft sind. Ebenso erfolgte während der Song-Zeit die Trennung der Schulen des Feng Shui in Formenkraft-Schule (auch bekannt als Formen-Schule) und Struktur-Qi-Schule (auch bekannt als Kompass-Schule. Es wurden mehr oder weniger die wesentlichen theoretischen Konzepte des Bazi Suanming entwickelt oder zumindest ausformuliert,

Die Hauptvertreter des Song-zeitlichen rationalistischen Neokonfuzianismus sind die Philosophen Zhou Dunyi 周敦頤 (1017-1073 n. Chr.), Shao Yong 邵勇 (1011-1077 n. Chr.) Zhang Zai 張載 (1020-1078 n. Chr.), die beiden Brüder Cheng Hao 程顥 (1032-1085 n. Chr.) und Cheng Yi 程頤 (1033-1107 n. Chr.), der überaus bedeutende Philosoph Zhu Xi 朱熹 (1130-1200 n. Chr.) und dessen Gegenspieler Lu Jiuyuan  陸九淵 (1139-1193 n. Chr.). Frühe Ansätze des neokonfuzianischen rationalistischen Denkens sind ebenfalls in den Schriften des Neodaoisten Wang Bi 王弼 (226-249 n. Chr.) aus der Wei-Zeit, und des bedeutenden konfuzianischen Interpreten Han Yu 韓愈 (768-824 n. Chr.) aus der Tang-Zeit zu finden.

Die theoretischen Grundlagen des Neokonfuzianismus erbrachten Zhou Dunyi, mit seiner berühmt gewordenen Erläuterung des Taiji-Emblems, Shao Yong mit seiner Mathematik der apokryphen Zahlen und der Berechnung eines Weltzeitalters und Zhang Zai, der eine konsequente Philosophie des Qi betrieb, die beinahe . Die Theorien der Brüder Cheng Yi und Cheng Hao stellten bereits eine temporäre Weiterentwicklung des Systems dar, denn sie spalteten den Neokonfuzianismus bereits in einen rationalen Ansatz, vertreten von Cheng Yi, und idealistischen Ansatz, vertreten von Cheng Hao, auf. Die Vollendung des neokonfuzianischen Gedankengebäudes im Sinne des rationalistischen Ansatzes gelang schließlich dem Gelehrten Zhu Xi, der wohl als die bedeutendste Persönlichkeit der letzten 2000 Jahren chinesischer Philosophiegeschichte bezeichnet werden kann. In der chinesischen alten und neuen Welt ist Zhu Xi genauso berühmt wie Konfuzius und Laozi. Er wurde nach seinem Tode zur Gottheit des Wissens erklärt.

Die große Bedeutung des Neokonfuzianismus ist daran zu ersehen, dass er bis ins 21. Jahrhundert hinein Anhänger hat und tatsächlich 8 Jahrhunderte lang das Denken Chinas dominierte. Neben dieser historischen Größe des Neokonfuzianismus stehen aber auch seine inhaltlichen Auslegungen, die für das Verständnis der traditionellen chinesischen Wissenschaften von immenser Bedeutung sind. Das liegt vor allem daran, dass der Neokonfuzianismus sich für die Erklärung des Funktionierens der Welt in weiten Teilen auf Konzepte mit Qi stützt, welches gleichzeitig im Zentrum jeder traditionellen chinesischen Wissenschaft und daher auch des Bazi Suanming oder Feng Shui steht.

Alle Vertreter des rationalistischen Neokonfuzianismus waren erklärte Gegner von Daoismus und Buddhismus, scheuten sich umgekehrt aber nicht, sich selbst Elemente aus den weltbildlichen Vorstellungen des Buddhismus und des Daoismus anzueignen und daraus ein Weltbild zusammenzubauen, das dem Kenntnisstand ihrer Zeit entsprach und alle wesentlichen theoretischen Aspekte der Welt mit in sich aufnahm. Andererseits wurde das neue angereicherte (daoistische und buddhistische) Wissen wiederum verwendet, um die Weltbilder des Daoismus und Buddhismus zu widerlegen.