Grundlagen Eigenschaften

Während der ersten Phase der Entwicklung eines Qi-Konzeptes überwogen die animistischen und dämonologischen Komponenten, welche entsprechend ihrer Allgegenwärtigkeit auch die wesentliche psychologische Anleitung für die Menschen dieser Zeit darstellten.

Dieses animistische Konzept von Qi wurde während der zweiten Phase der Entwicklung allmählich in einen systematischen Kontext zu der Natur gestellt und zu einem übergeordnetem Konzept umgestaltet. Qi wurde darin zum Abbild der Natur an sich, die sich im Laufe eines Jahres in Zyklen veränderte, was an Veränderungen des Klima und der Vegetation zu sehen war.  Als genereller Repräsentant der Natur wurden Qi folgende Eigenschaften zugesprochen:

  1. Die Notwendigkeit der Veränderung oder Wandlung von Qi und
  2. Die Gesetzmäßigkeit von Zyklen, in denen sich die Veränderungen und Wandlungen abspielten.
  3. Die Einheitlichkeit des Qi am Anfang der Welt, als Inbegriff für die Einheit der Welt

Qi unterliegt demnach den Gesetzen: Veränderlichkeit, zyklische Wiederkehr und Einheit des Qi.

Paradigmatische Eigenschaften des Qi:

Aufgrund der Darstellung in den von uns gesichteten klassischen chinesischen Quellen aus der philosophischen und medizinischen Literatur bezüglich der chinesische Langlebigkeitstechniken verfügt Qi über folgende primäre Eigenschaften, die für den Menschen in dem Sinne zugänglich werden, dass sie als Paradigma für ihn eine Bedeutung im Leben einnehmen und er nach diesen Paradigmen sein Leben  einrichten muss, damit er Langlebigkeit erreichen kann.

Unter einer paradigmatischen Eigenschaft verstehe ich im Zusammenhang mit dem Konzept Qi, das hier die Bedeutung einer Lebenskraft haben soll, eine Eigenschaft oder Funktion des Qi, die in dem Moment gültig wird, in dem Leben gezeugt wird und entsteht.

Die paradigmatischen Eigenschaften des Qi betreffen nicht nur gleichermaßen alle Lebewesen, sondern auch die gesamte Welt, weil deren Entstehen und Funktionieren das architektonische Vorbild für Leben ist.

Die darin dem Qi zukommende Rolle und seine darin entwickelten Eigenschaften nenne ich deshalb die paradigmatischen Eigenschaften des Qi, die der gestalteten Welt immanent sind. Es handelt sich hierbei um folgende Eigenschaften:

  1. Qi ist der Inbegriff der "Einheit" in dem Sinne, dass es nur "ein Qi" gibt. Qi verfügt daher über die Eigenschaft der "Einheit" bzw. "Einheitlichkeit".
  2. Qi ist in seinem ungestalteten Urzustand "leer" und in seinem gestalteten für den Menschen sichtbaren Zustand "materieller" Natur. Qi verfügt daher über die Eigenschaft der Leere.
  3. Qi hat die Möglichkeit, sowohl zur "Unbewegtheit" als auch zur "Bewegung". Qi verfügt daher über die Eigenschaft der "Bewegung" und des "Stillstandes".
  4. Qi neigt zu "zyklischer Wiederholung" von Bewegungen und dem Wechsel zwischen "Bewegung" und "Stillstand", genauso wie diese zum Beispiel an den Jahreszeiten, am Tagesablauf, und an den Veränderungen des Sternenbilds in der Wirkung sichtbar wird.
  5. Qi ist ständiger "Veränderung" (auch Wandlung bzw. Transformation genannt) ausgesetzt, die sich ständig zyklisch wiederholen muss, damit sich Leben ergibt und dieses erhalten bleibt.
  6. Qi verfügt über "Durchdringbarkeit" und "Transzendenz".
  7. In der Summe aller seiner Bewegungen und Zustände tendiert Qi zum "Ausgleich", insbesondere innerhalb eines geschlossenen Systems, wie es auch ein Lebewesen darstellt.
  8. Qi ist in der sichtbaren Welt als gegensätzliche Phänomene (wie z. B. Feuer und Wasser es sind) verwirklicht und ist daher in sich "paradox". Die absoluten Kategorien dieser Gegensätzlichkeit sind in dem Konzept von Yin und Yang und der "Graphik des Taiji" dargestellt.