Grundlagen Geschichte

Himmelsstämme und Erdzweige

Herkunftsgeschichte

Die Symbole der 10 Hs und 12 Ez gaben Auskunft bei der Datierung von Prognoseerstellungen für Entscheidungen und für dringende Angelegenheiten innerhalb des Kontexts der Entwicklung der Natur. Schon auf Orakelknochen der Shang-Zeit (ca. 2000 v. Chr.) wurden die 10 Hs und 12 Ez zur Zählung von Tagen benutzt. Während die 10 Hs für die Beschreibung diverser Himmelsbilder verwendet wurden, waren die 12 Ez in China für die Beschreibung von Mondphasen des tropischen Jahres oder als Bezeichnung für Himmelsrichtungen in Gebrauch. Diese Zahlenordnungen der Hs und Ez, die in Wahrheit einen assoziativen Charakter in der Natur haben, sind der Grundbaustein für die altchinesische Vorstellung des gesamten „Raum-Zeit-Kontinuums der Welt.“ Während der Shang-Zeit (1520–1030 v. Chr.) soll es zum Beispiel bereits eine kalendarische Wocheneinheit eines „Zyklus von 10 Tagen“ gegeben haben. Aus den Orakelinschriften dieser Zeit geht hervor, dass das System eines Zyklus mit 60 Stellen, bestehend aus 10 Hs und 12 Ez für die Bezeichnung der Tage verwendet worden ist. Nach Auffassung des Qing-zeitlichen textkritischen Gelehrten Gu Yanwu (1613–1682 n. Chr.) begann man im 5. Jahr der Zwischenregierungszeit des Wang Mang (13 n. Chr.) den 60-stelligen Zyklus auch für die Jahreszählung zu verwenden. Andere Autoren erwähnen dagegen das 2. Jh. vor Chr. für die erweiterte Handhabung von Hs und Ez. Einen Höhepunkt erlebte die Berechnung von Zeitzyklen im 11. Jh. n. Chr. mit dem Philosophen Shao Yong, der anhand der hier beschriebenen Zyklen der Hs und Ez gar ein ganzes Weltkalpa errechnete und dies bei 128000 Jahren festlegte.

In dem 60-stelligen Zyklus der Hs und Ez sind in sehr subtiler Weise grundsätzliche Ansichten über den Aufbau der Welt verborgen, so wie sie in den philosophischen Schriften des chinesischen Altertums beschrieben worden sind. In der chinesischen Philosophie wurde menschliches Leben, und jedes weitere Leben im allgemeinen, als das Produkt eines Synergismus zwischen „Himmel“ assoziiert mit Yang und „Erde“ assoziiert mit Yin angesehen. Hierbei wurde Yang im Allgemeinen als der Geist spendende und die Erde als der Form spendende Faktor angesehen. In diesem Sinne ist die Veränderung der Dinge in der Zeit auch eine Veränderung der Doppelaspekte von Himmel und Erde. Auf diese Weise ist der 60-stellige Zyklus der Kombinationen von Hs und Ez ein numerisch-abstrakter Ausdruck der Schöpfung.